Lehrermord in Paris  in Medien

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Lehrermord in Paris in Medien

Nach der Tötung eines Lehrers in der Nähe von Paris haben sich Tausende Menschen in französischen Städten zu Solidaritätsbekundungen versammelt. Präsident Macron verurteilte den “bösartigen islamistischen Terroranschlag”. Samuel Paty wurde am Freitag ermordet; er hatte im Unterricht Mohammed-Karikaturen erläutert. Beobachter betonen, wie wichtig säkulare Bildung ist – und diskutieren, wie sie verteidigt werden kann.

 Schule steht für alles, was Terroristen hassen

Libération ruft zur Verteidigung des säkularen Bildungssystems auf:

„Die Schule traf es am Freitagabend mitten ins Herz. Und es steht außer Frage, dass wir sie jetzt mehr denn je lieben, verwöhnen und beschützen müssen. … Die Schule steht für das, was Terroristen verabscheuen: die Freiheit der Meinungsäußerung, Wissen, Wissenschaft, Debatte, Teilen, Kultur, das Erlernen des freien Willens, das Akzeptieren von Kritik, das Zusammenleben trotz unserer Unterschiede, Bücher statt des einen Buches, wie auch immer es heißen mag. All dies ist es, was der islamistische Terrorist von Conflans-Sainte-Honorine angegriffen hat, und all dies müssen wir heute mehr denn je schützen, um gegen Obskurantismus, Fanatismus und Barbarei zu kämpfen.“

 Für Islamisten kommt Lehre nur von Gott

Die Schule ist leider dazu bestimmt, Schauplatz des Konflikts zwischen säkularen Gesellschaften und Islamisten zu werden, befürchtet auch Kolumnist Ezio Mauro in La Repubblica, denn sie ist

„eine neutrale, bürgerliche Institution, die allen eine gemeinsame Vorstellung von der Welt, in der wir leben und dem Land, in dem wir wohnen, vermitteln soll. … Aber für den radikalen Islamismus ist die einzig wahre Lehre das Wort Gottes, das direkt vom Himmel herabkommt. … Diese Lehre lässt sich nicht an die allgemeine Moral und die zivilen Praktiken anpassen, die sie in Schulen, Gerichten und im Zusammenleben übersetzen. Für die französische Tradition hingegen ist die Schule seit 1905 der republikanische Schmelztiegel, das Herz der Säkularität des Staates, die die Wände der Klassenzimmer kahl will, damit Wissen und Gewissen der Schüler in Freiheit wachsen und nicht unter dem Blick eines welchen Gottes auch immer.“

Wer Meinungsfreiheit lebt, zahlt hohen Preis

Angst um Leib und Leben lässt Islamkritik nicht nur in Frankreich ersticken, betont Expressen:

 „Das Risiko, dass sich Selbstzensur ausbreitet, ist offensichtlich. … In Schweden lebt der Künstler Lars Vilks [der Mohammed als Hund dargestellt hatte] seit 13 Jahren in akuter Lebensgefahr, seit Dezember 2010 hat er Personenschutz. Das sagt etwas aus über den hohen Preis, den Menschen bezahlen, wenn sie bereit sind, Extremisten zu provozieren. Nennenswerte Unterstützung bekommt Vilks nicht. Die Kulturszene hält Abstand und Nachbarn haben sich darüber beschwert, dass er in ihrer Nähe wohnt. … In der Theorie loben fast alle die Meinungsfreiheit, in der Praxis darf sie allerdings nicht zu teuer werden. Der Terroranschlag in Frankreich geht auch uns an.“

 Moderaten Muslimen den Rücken stärken

Im Kampf gegen den Islamismus ist Rückhalt für den gemäßigten Flügel des Islam essenziell, erinnert die Politikwissenschaftlerin Ayaan Hirsi Ali in The Spectator:

„Vielleicht könnte Emmanuel Macron jenen französischen Muslimen Sicherheit und Unterstützung bieten, die sich mutig gegen den radikalen Islam aussprechen? Er könnte auch jenen Anhängern des Islam Rückhalt bieten, die versuchen, die Scharia zu modifizieren, die Sunna als Richtschnur muslimischer Lebensweise historisch zu kontextualisieren und eine sinnvolle Grenze zwischen Religion und Staat herzustellen, indem sie die Reinheit der Lehre in Frage stellen. Bei der Bekämpfung der Extremisten ist es wichtig, zwischen Muslimen, die auf echte Veränderung drängen, und eloquenten Islamisten zu unterscheiden. Sehr viele französische Muslime kämpfen gegen die Islamisten, und Macron könnte weit mehr tun, um sie zu unterstützen.“

Die einsamen Wölfe erwachen

Die grausame Tat wird Nachahmer finden, fürchtet Ovidiu Raețchi, der für die nationalliberale PNL im Parlament sitzt, in Adevărul:

„Auch wenn der Mord nahe Paris kein systemischer Terrorakt ist, weil er nicht von einer Organisation aus dem Nahen Osten koordiniert wurde, ist er doch für die Veränderung des Dschihadismus in den vergangenen Jahrzehnten bedeutsam. Es ist genau die Art von spontaner Aktion, die eine Unmenge an Energie und Zellen aktiviert, die nach dem fatalen Schlag, den der IS in Syrien erhalten hat, noch schlafen. Die Karikaturen von Charlie Hebdo sind extrem effizient, um radikale Strukturen zu mobilisieren, die nur nach Gründen dafür suchen. Daher müssen wir damit rechnen, dass wir neue Aktionen von einsamen Wölfen in Europa erleben werden, die durch die Enthauptung Samuel Patys angestachelt werden.“

Eurotopics.net

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